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Die Kirche braucht offensive Strategie

Meinungsforscherin Renate Köcher vom Instituts für Demoskopie Allensbach

  

Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach (Allensbach), hat als Mitglied der EKD-Perspektivkommission 2030 am EKD-Impulspapier mitgearbeitet und äußerte sich vor dem EKD-Zukunftskongress auf dem Kongress christlicher Führungskräfte in Leipzig zur Lage der Evangelischen Kirche

   

  

Kirchen konzentrieren sich zu sehr nur darauf, ihre Kräfte zu bündeln

Es hörte sich an wie ein Gedanke aus einer Predigt: »Viele Menschen leben heute orientierungslos in den Tag hinein. Hauptaufgabe von Christen ist es, Reservate der Ruhe zu schaffen.« Doch diese Worte kamen nicht von einem Theologen, sondern von Deutschlands wohl bekanntester Meinungsforscherin, Renate Köcher (Allensbach am Bodensee). Hektik und Medienkonsum seien so bestimmend, dass kaum Zeit zum Nachdenken bleibe, betonte die Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach beim Kongress christlicher Führungskräfte in Leipzig. Viele fragten deshalb nicht mehr nach dem »Woher und Wohin des Lebens.«

Die Demoskopin wartete vor 3500 Führungskräften aus Wirtschaft und Kirche mit überraschenden Analysen auf. Zwar seien die Menschen in Deutschland in den letzten 30 Jahren deutlich selbstbezogener geworden. Und das Ziel habe abgenommen, für Andere da zu sein und sich für eine bessere Gesellschaft einzusetzen.

Doch daraus dürften nicht voreilige Schlüsse gezogen werden. »Vielfach sind die Menschen hilfsbereiter und familienfreundlicher als die meisten meinen«, unterstrich die Professorin. So gebe es zahlreiche Ansätze für ein entsprechendes Engagement. Ein Viertel der Bevölkerung unterstütze regelmäßig Angehörige finanziell. Rund Zehn Prozent pflegten Angehörige zuhause. Köcher zufolge wächst »seit Jahren die Bedeutung der Familie - gegen allen Abgesang«.

Die schwindende Hoffnung, sich immer und überall auf den Staat verlassen zu können, führe dazu, sich wieder stärker auf private soziale Netze zu verlassen. Köcher kritisierte, dass sich die Gesellschaft zu wenig Gedanken mache, wie sie diese Hilfsbereitschaft fördern möchte: »Wir feiern dubiose Stars und Sternchen mehr als diejenigen, die sich aufopferungsvoll für Andere einsetzen.«

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Qu: Sonntagsblatt

Foto: GüS/Sonntagsblatt