Kirche der Freiheit
Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart Nord
Haben Sie es in der Presse mitverfolgt? In der Evangelische Kirche in Deutschland ist Bewegung: Im Juli ist das Impulspapier des Rates der EKD erschienen, im November hat die EKD-Synode in einer ersten Runde darüber debattiert, weitere werden im kommenden Jahr folgen. Die Überschrift weckt große Erwartungen: Kirche der Freiheit - Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert. Ein Impulspapier des Rates der EKD.
Mit diesem Papier formuliert der Rat der EKD Entwicklungsziele für die Evangelische Kirche bis zum Jahr 2030. Äußerer Anlass dafür ist der heute absehbare Rückgang der Mitgliederzahlen und der finanziellen Ressourcen. Erklärte Absicht ist es, Veränderungsprozesse in der Kirche bewusst zu gestalten anstatt lediglich passiv die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die Kirche hinzunehmen.
Im Vorwort werden drei Verhaltensvarianten vor Augen geführt:
1. Nichts tun: Dies führt in kurzer Zeit zum finanziellen Kollaps.
2. Gleichmäßige Reduzierung der kirchlichen Aktivitäten entsprechend dem Rückgang an Mitgliedern und Ressourcen: Dies würde zu einer Verflachung und Verarmung der Kirche führen.
3. Aktiver Umbau der Kirche.
Dies mache ein Wachsen gegen den Trend möglich. Das Papier will Wege zu einem solchen aktiven Umbau der Kirche aufzeigen.
Leitend sind dabei vier Grundmotive:
Geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität, Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit,
Beweglichkeit in den Formen statt Klammern an Strukturen, Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit.
In zwölf sogenannten Leuchtfeuern hebt das Impulspapier unterschiedliche Bereiche kirchlichen Handelns heraus, bewertet sie und formuliert Ziele und Absichten, wie sich diese Arbeit weiter entwickeln soll. Dabei wird zum Beispiel darauf gesetzt, dass sich an bestimmten Orten einzelne Schwerpunkte entfalten und dabei besondere Ausstrah- lungskraft gewinnen, zugleich soll Kirche aber Heimat bieten und Gemeinden sollen als Ort der Begegnung erfahren werden. Als zentrale Themen von Kirche werden die Bereiche Bildung und Diakonie hervor gehoben, aber auch, wie Kirche von sich reden macht, und wie Kirche Themen in Gesellschaft und Kultur setzt oder aufgreift. Auch große Strukturfragen werden angesprochen, die Frage nach ergänzenden Finanzierungssystemen in der Kirche und die Reduzierung der Zahl der Landeskirchen zugunsten einer Stärkung der EKD.
Weil diese Diskussionen zwar nicht wirklich neu sind, aber ein gemeinsamer Weg in den Landeskirchen in diesen Fragen noch lange nicht gefunden ist, wird es Ende Januar einen so genannten Zukunftskongress geben, der die vom Impulspapier ausgegangenen Fragen und Impulse bündeln und konzentrieren soll. Bei aller zu erwartenden Kritik und Hinweisen auf das, was fehlt, finde ich eines wirklich bemerkenswert an dieser Veröffentlichung: Kirche ist nicht auf dem Rückzug und wartet ab, sondern geht auf die Veränderungen, die sich abzeichnen, aktiv zu.