Das Ende der Gemütlichkeit
Die evangelische Kirche im Aufbruch
Mittwoch, 24. Januar 2007, 22.45 Uhr im Ersten
Film von Uwe Bork und Wolfgang Rommel (SWR/ARD)
Der große Theologe Martin Luther fände heute mehr als genug Grund zum Grübeln: Die Reformation, mit der er 1517 vom damals kursächsischen Wittenberg aus die Christenheit ins Wanken brachte, scheint sich zumindest im Heimatland des Reformators zu einem Fehlschlag entwickelt zu haben.
Kaum jeder zwanzigste Protestant besucht noch am Sonntag einen Gottesdienst, Pfarrer werden ebenso arbeitslos wie Buchhalter oder Bandarbeiter, Kirchen stehen leer und verfallen. Nur noch manchmal werden sie weiter genutzt: als Zweigstellen von Banken oder als Kneipen und Restaurants.
Ist damit Martin Luthers Reformation ein Misserfolg? Sind seine 95 Thesen nur noch Muster ohne Wert? Steht der Protestantismus in Deutschland vor dem Aus? Ganz im Gegenteil, sagen in dieser Situation maßgebliche lutherische Laien und Theologen, die Protestanten befinden sich in einem neuen Aufbruch. Zwar droht der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach eigenen Schätzungen bis zum Jahr 2030 ein Drittel ihrer Mitglieder und etwa die Hälfte ihrer Einnahmen abhanden zu kommen, unumkehrbar ist diese Entwicklung jedoch nicht.
Unter dem Titel "Kirche der Freiheit" soll jetzt ein von einer zwölfköpfigen Autorengruppe ausgearbeitetes Papier "Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert" eröffnen. Dieses Konzept plädiert unter anderem für neue Rollen von Pfarrern und ehrenamtlichen Mitarbeitern, es fordert eine Überprüfung kirchlichen Handelns unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit, und es stellt nicht zuletzt strukturelle Forderungen: Im Jahr 2030, so eine seiner Aussagen, sollte sich durch Konzentration auf größere Einheiten die Zahl der Gliedkirchen der EKD in etwa halbiert haben.
"Was würde Luther dazu sagen?" Diese Frage stellt nicht nur der hochkarätig besetzte "Zukunftskongress" der EKD, der vom 25. bis zum 27. Januar in Wittenberg stattfinden wird, diese Frage stellen auch die beiden SWR-Autoren Uwe Bork und Wolfgang Rommel, die mit ihrem Film "Das Ende der Gemütlichkeit" zeigen wollen, wie der geforderte Wandel aussehen könnte und welche Konsequenzen er haben könnte. Zu erwarten ist tatsächlich, dass er das Gesicht der evangelischen Kirche in Deutschland nachhaltig verändern wird.
Qu: ARD-Archiv
Braucht die evangelische Kirche eine zweite Reformation?
Bild: Spielszene Reformator Martin Luther (Gunnnar Baginski)
