Internetplattform Kirchenreform - Donnerstag, 20. November 2008
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Kirche wohin?

Reaktion der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium"

  

Kirche wohin? Die Gemeinde Jesu Christi und die Kirche

Hansfrieder Hellenschmidt

Wieder hat die Kirche von sich Reden gemacht. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat ein Perspektivpapier veröffentlicht, in dem er zeigt, wie die Kirche der Zukunft aussehen soll. Der Anlaß dieses Impulspapiers sind die großen und schweren Herausforderungen, vor denen die Kirche steht. Im Vorwort nennt sie der Ratsvorsitzende, Bischof Huber: die demographischen Umbrüche, die finanziellen Einbußen, die Folgen der Austrittswelle, die Arbeitslosigkeit, der globale Wettbewerb und die gesellschaftlichen Entwicklungen. Um es gleich zu sagen, es fällt auf, daß nicht ein einziges geistliches Anliegen genannt wird. Im Papier interessiert also nicht, wie Christen heute ihres Glaubens leben, wie sie die Anfechtungen durchhalten, wie sie in den vielfältigen Versuchungen bestehen, wie sie in diesen Zeiten das Zeugnis von Jesus Christus ausrichten, wie sie die Fremdlingschaft um des Evangeliums willen aushalten und das Kreuz um Christi willen tragen können. Durchgehend geht es in dem Papier darum, wie die Kirche in der Gesellschaft zum Zuge kommt und sie sich den gesellschaftlichen Notwendigkeiten besser anpaßt.

Das vorgesteckte Ziel soll durch Veränderung der kirchlichen Strukturen erreicht werden. Das hat weitreichende Folgen, die auch die Ortsgemeinde erreichen. Im Zuge der Umstrukturierung wird die Ortsgemeinde ihre seitherigen Kompetenzen verlieren und völlig in die Hände übergeordneter Institutionen fallen. Die oberste "Leitungs- und Führungs- und Deutungskompetenz" soll fortan alleine bei der Kirchenleitung liegen, denn sie hat, so das Papier, die alleinige "Kompetenz-Kompetenz". Damit beraubt sich aber die Kirche ihres Kerns, denn die Ortsgemeinde war bis jetzt immer als die primäre Erscheinungsform der Kirche verstanden worden – und es ist offensichtlich, daß gegen anders lautende Aussagen, die Kirche sich hierarchisch von oben nach unten organisiert und sich durch ihre Macht und "Kompetenz" alles gefügig macht.

An diesen wenigen Beispielen mit Begriffen, die in einer biblisch-theologischen Betrachtung der Gemeinde nicht unterzubringen sind, ist zu sehen, daß etwas ganz Neues im Entstehen begriffen ist. In dieser Situation, veranlaßt durch das EKD-Papier und der Tatsache, daß selbst in evangelikalen Kirchenkreisen diese Vorstellungen positiv begrüßt und diskutiert werden, erhebt die Bekenntnisbewegung ihre Stimme. Es geht dabei nicht um ein belangloses Räsonieren, sondern darum, denen, die betroffen und unsicher vor solchen Neuerungen stehen, die Augen zu öffnen und den Mut zu stärken, im Ringen um die rechte Ordnung der Gemeinde zu widerstehen und sich am Bild der neutestamentlichen Gemeinde auszurichten.

Der Gemeinde Jesu Christi geht es zuerst und vor allen Dingen um die Ausrufung des Reiches Gottes und seine Gestaltwerdung in dieser Zeit. Die Gemeinde, die der Leib Jesu Christi ist, kann nur von seinem Haupt her geleitet werden. Erhalt und Bestand der Gemeinde Jesu Christi samt Gemeindewachstum kann nicht "gemacht" werden. Das steht allein in der Verfügung Jesu Christi. Wir dürfen und sollen ihn aber bitten, seiner Gemeinde in dieser schweren Zeit beizustehen, die Sendung, die er ihr gegeben hat (Mt 28), zu erfüllen. Wer die Weisung Christi erbittet, muß die Finger von allem "Machen" lassen, auch dann, wenn der Niedergang der kirchlichen Arbeit schmerzt. Von dieser Einsicht ist in dem EKD-Papier aber nichts zu spüren. Es kommt darum nicht von ungefähr, daß Christus, der sonst gerne der Herr der Kirche genannt wird, bei der angestoßenen Diskussion selbst keine Rolle spielt. Wie kann man aber die Gemeinde, ihr Wachstum und ihren Erhalt in der Gesellschaft vorantreiben wollen, ohne auf Christus zu schauen und seine Weisung zu erbitten. Theologisch gesprochen heißt das, wie kann man Ekklesiologie ohne Christologie betreiben wollen? Könnte es nicht sein, daß der Niedergang der Kirche mit ihrem steten Ungehorsam gegenüber den klaren Weisungen des Wortes Gottes zu tun hat? Wie konnte es dazu kommen, daß sich die Institution Kirche so hartleibig gegen bessere biblische Einsichten und theologische Erkenntnisse verhält und den Ruf zur Umkehr, wie er immer wieder aus der Gemeinde an sie herangetragen wird, überhört? Dieser Frage nachzugehen ist der folgende Vortrag, der beim Dies Academicus der Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel gehalten wurde, gewidmet.

  

  

Zum Vortrag: Kirche wohin?  Die Gemeinde Jesu Christi und die Kirche
Die Aufgabe der Bekenntnisbewegung am Beginn des 21. Jahrhunderts
von Hansfrieder Hellenschmidt  [weiter...]

   

  

Qu: keinanderesevangelium.de