
Die evangelische Kirche in Deutschland will ihre Reformbemühungen weiter vorantreiben. "Der Zukunftsprozess geht weiter", sagte der Ratvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, zum Abschluss des ersten Zukunftskongresses der EKD in der Lutherstadt Wittenberg. In einem Interview räumte Huber ein, dass es "erheblichen Streit" über eine mögliche Zusammenlegung und Auflösung einzelner Landeskirchen gegeben habe.
Rund 300 Vertreter der 23 evangelischen Landeskirchen sowie Repräsentanten aller Kirchenleitungen und Reformkräfte verschiedener kirchlicher Ebenen hatten im sachsen-anhaltischen Wittenberg drei Tage lang das Papier "Kirche in Freiheit" diskutiert, das die EKD im vergangenen Sommer vorgelegt hatte.
Der Text geht davon aus, dass auf Grund demographischer Umbrüche, finanzieller Einbußen, hoher Arbeitslosigkeit und wegen des globalisierten Wettbewerbs ein Wandel der kirchlichen Strukturen notwendig wird. Gleichzeitig werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die evangelischen Kirchen den Herausforderungen begegnen können. Durch eine Neuausrichtung der kirchlichen Arbeit und eine Konzentration auf wichtige Arbeitsgebiete solle sogar ein Wachsen gegen den Trend möglich sein, lautet der Tenor des Papiers.
Huber sagte im NDR Info, je kleiner eine Landeskirche sei, desto größer sei der Aufwand für die Verwaltung. "Wenn wir die Zielsetzung haben, so viele Mittel wie irgend möglich in die Arbeit mit den Menschen, in den Pfarrdienst, in die Arbeit der Gemeinden zu stecken, dann müssen wir die Verwaltung so schlank und so effektive wie möglich gestalten", sagte Huber. Am Ende habe sich diese Überlegung zwar durchgesetzt, doch der Streit über diesen Punkt sei erheblich gewesen. Barbara Rinke, Präses der 10. EKD-Synode, sagte, in Wittenberg habe eine "nüchterne Aufbruchstimmung" geherrscht. Alle seien einig gewesen, Veränderung tue Not, aber nichts müsse überstürzt werden. Es wäre zu spüren gewesen, "die Menschen fühlen sich sich zu Hause in ihrer Gemeinde, in ihrer Landeskirche und in der EKD".
Die Reformdebatte werde jedoch nicht auf die lange Bank geschoben, fügte Huber hinzu, der auch Bischof der Evangelischen Kirche Berlin - Brandenburg - schlesische Oberlausitz ist. In einigen Regionen hier, so in der Oberlausitz, müssten bereits jetzt Gemeinden den Gottesdienst ohne Pfarrer abhalten. "Es wird nicht den einen zentralen Plan geben", erklärte Huber. Die EKD sei eine Gemeinschaft der Gliederkirchen.
Das Papier "Kirche der Freiheit" gibt den Angaben zufolge Orientierungspunkte für den Weg der EKD bis ins Jahr 2030. Dabei war der Tagungsort nicht zufällig gewählt: In Wittenberg leitete Martin Luther mit seinem berühmten Thesenanschlag gegen den Ablasshandel im Jahr 1517 die Reformation ein. "Wir wollen die Priorität auf die Weitergabe des Evangeliums an die nächste Generation legen", betonte Huber. Zu Fragen wie Arbeitslosigkeit, Gerechtigkeit oder Globalisierung äußere sich die evangelische Kirche deutlich und klar. Es könne aber nicht sein, dass die Fragen die religiösen Kernfragen überlagern. Religion und Glauben seien große Themen in der Gesellschaft. Deshalb seien sie von zentraler Bedeutung.
27.1.07
Quelle: heute.de
Bild: dpa