Lob und Kritik - Reaktionen auf das Impulspapier der EKD

Am Reformationstag bringt sich die evangelische Kirche in Form. Schön wäre es! Doch oft gedenkt sie zu diesem Datum nur ihrer althergebrachten Formen und versteckt sich hinter einer beinahe 500 Jahre alten Erneuerung. Damals ist Martin Luther gelungen, wonach sich Amtskirche und Gemeinden heute wieder von Herzen sehnen: Erneuerung voller Potenzial zur Umgestaltung, Neuordnung und Verbesserung unerträglicher Zustände in Kirche und Gesellschaft für die Menschen.
Luthers Thesen lösten einen umfassenden Umbruch aus, nicht nur in der Kirche, sondern auch in Staat und Gesellschaft. Und heute? Wo bleibt der Reformator? Wo sind die Impulse, die der Kirche dazu verhelfen können, sich in eine zeitgemäße und in die Zukunft tragende Form zu bringen?
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Der Trend räumt der Volkskirche kaum noch Existenzchancen ein. Von der Demografie bis zu den Finanzen werden rote Zahlen geschrieben. Betriebswirtschaftliche Sichtweisen auf Gottesdienstteilnahme, Taufen und Hochzeiten senden keine positiven Signale für den Aktienkurs der Volkskirche aus.
Orientierung tut not. Da kommen Leuchtfeuer (im Impulspapier der EKD „Kirche der Freiheit“) gerade recht. Das Papier weist den Weg von einer landeskirchlich unterhaltenen Förderstiftung zu einer operativen Stiftung mit eigenem Geltungsanspruch. Kompetenzzentren sollen entstehen oder ausgebaut, Zielvereinbarungen geschlossen, Qualitätsmanagement soll eingeführt werden. Verschlankung im Dienste der Effizienz ist ein geläufiges Muster beratungsbeförderter institutioneller Überlebensstrategien.
Dieser Trend kehrt sich im Bereich der Wirtschaft allerdings jüngst wieder um. Dennoch: Die Kirche als Institution – so scheint es – nimmt sich als Teil einer in mancher Hinsicht prekären gesellschaftlichen Wirklichkeit wahr und zieht mit kräftigen Strichen die Konsequenzen. Das hat in einer allgemeinen politischen Kultur, die sich in entschiedener Unentschiedenheit übt, geradezu Vorbildcharakter. [...]
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Eine Perspektivkommission der EKD hat unter dem Titel "Kirche der Freiheit" in "zwölf Leuchtfeuern" ihre Vision von einer Kirche im Jahr 2030 dargelegt. In die Öffentlichkeit drang vor allem das Bestreben, Landeskirchen zusammen zu legen - eine Idee, die vor 10 Jahren auch schon der damalige Ratsvorsitzende Klaus Engelhardt in seiner Abschiedsrede kund tat. Doch in dem Papier steckt weit mehr - Betrübliches. Vom 25. bis 27. Januar 2007 kommen ausgewählte Vertreter der EKD und ihrer 23 Gliedkirchen zu einem Zukunftskongress in Wittenberg zusammen. Wenn die "Kirche der Freiheit" dort die Grundlage für die anstehenden Reformen bildet, ist es schlecht bestellt um den Protestantismus im Land der Reformation. Dazu nur acht Spotlights:
Bereits die Besetzung der Kommission offenbart das größte Problem des organisierten Protestantismus: er ist so wenig Glaubensgemeinschaft und so viel Hierarchie, Bürokratie und beamteter Klerus.
In der Kommission sitzen durch die Bank weg Kirchenrepräsentanten, die längst große Verantwortung tragen. Welche neuen Ideen sind von denen zu erwarten, die seit Jahr und Tag Ideen umsetzen können? Die Kommissionsmitglieder sind kirchliches und weltliches Establishment - und deshalb weder Kirche noch Welt.
Wer heute in unserer evangelischen Kirche das Sagen hat und mit dieser unserer Kirche nicht zufrieden ist, der gebraucht die Parole vom notwendigen „Mentalitätswandel“. Der EKD-Ratsvorsitzender, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), führt die Riege dieser Kirchenkritiker an. Am 13. Oktober 2006 erklärte er im DeutschlandRadio Kultur: „Die Evangelische Kirche braucht Mentalitätswandel“. Das sei notwendig für ihren Erneuerungsprozess, den die EKD jetzt vorschlägt. [weiter...]
Würzburg / Frankfurt (PRO) - Angesichts der verbesserten wirtschaftlichen Situation in Deutschland rechnet auch die evangelische Kirche (EKD) mit einem Anstieg der Einnahmen. Ein Politikwissenschaftler warnt die in Würzburg tagende EKD-Spitze jedoch davor, sich wie ein Industrieunternehmen lediglich an "Effizienzsteigerung" zu orientieren und dabei die Nachfolge Jesu aus dem Blick zu verlieren.
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Zu den wichtigen Ausgangspunkten für die Analyse dieser chancenreichen Situation gehört die Wahrnehmung, dass viel Grund zur Dankbarkeit für eine oft stabile, engagierte und gelingende Gemeindearbeit in der evangelischen Kirche in Deutschland besteht. Die Treue sehr vieler Menschen zur evan-gelischen Kirche und die Lebendigkeit vieler Gemeinden in Stadt und Land bilden ein hohes Gut, das durch die Rede von einem notwendigen Aufbruch nicht geschmälert oder miss-achtet werden soll. Die evangelische Kirche in Deutschland lebt und ist lebendig in den vielen Menschen, die treu zu ihr halten. Es gibt auch heute in Deuschland ein stabiles protestantisches Milieu, das sich im Hören auf und im lebendigen Zeugnis für das Evangelium, im Feiern der Sakramente und im Engagement für bedürftige Menschen ausdrückt. Die folgenden Überlegungen sollen die darin liegende Kraft zur Beheimatung bestärken. Damit verbindet sich die Hoffnung, sie auch in der nächsten Generation lebendig zu halten und zu erneuern.
Zu den positiven Grundzügen der gegenwärtigen Situation gehört sodann, dass sich eine neue Aufbruchstimmung unter den Mitarbeitenden in der Kirche feststellen lässt. Natürlich finden sich in der evangelischen Kirche auch Verzagtheit und Mutlosigkeit, – aber dies sollte nicht blind machen für die wachsende Bereitschaft, sich mit der Kirche und ihren Aufgaben zu identifizieren, und für den vorhandenen Mut, neue Wege gemeinsam zu gehen.
„Im Geiste des Vertrauens Vertrautes verlassen“, diese Formulierung trifft den guten Geist vieler Engagierter. Es gibt gegenwärtig eine beein-druckende Zahl von Mitarbeitenden in der evangelischen Kirche, die sich zuversichtlich und überzeugend engagieren. Dies können folgende Hinweise und Erinnerungen exemplarisch belegen: [weiter... Aufbruch-Evangelisch]
Der Rat der EKD hat ein Impulspapier »Kirche der Freiheit - Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert« veröffentlicht. Unter der Überschrift »Aufbruch bei allen kirchlichen Mitarbeitenden« wird auf Lektoren und Prädikanten eingegangen: »Auf Gott vertrauen und das Leben gestalten – das Priestertum aller Getauften und das freiwillige Engagement als Kraftquellen der evangelischen Kirche fördern. Im Jahre 2030 hat die evangelische Kirche das Verhältnis zwischen den ins Ehrenamt Ordinierten, Prädikantinnen und Prädikanten sowie Lektorinnen und Lektoren und dem Amt der hauptberuflichen Pfarrerinnen und Pfarrer eindeutig und überzeugend gestaltet. Der ehrenamtliche und nicht hauptamtliche Dienst erfährt – auch in der Beteiligung am Verkündigungsauftrag der Kirche – eine klare Würdigung.«
Zu diesem Papier ist ein Forum im Internet eingerichtet worden. Hier können, nach Themen gruppiert, die Inhalte des Impulspapieres diskutiert und Verbesserungsvorschläge eingebracht werden. Es gibt auch eine Rubrik speziell für Lektorinnen/Lektoren und Prädikantinnen/Prädikanten (5. Leuchtfeuer).
Außerdem erschienen: Ein Beitrag im Deutschlandfunk / Deutschlandradio Kultur der unter der gleichnamigen Rubrik hier auf lektorenamt.info als Audio-Beitrag angehört werden kann.
[weiter... www.Lektorenamt.info]
Bei der Suche nach kirchlichen Antworten auf den gesellschaftlichen Wandel blickte das Kirchenparlament auch über den Tellerrand: Als erste Synode im Rheinland befasste sich der Kirchenkreis An Nahe und Glan nach Aussage der referierenden Kirchenrechtsdirektorin Antje Hieronimus vom Landeskirchenamt am Samstag mit dem Impulspapier „Kirche der Freiheit“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Unter dem Motto „Wachsen gegen den Trend“ benennt es Perspektiven einer evangelischen Kirche 2030. Dazu müsse Kirche aufbrechen: in kirchlichen Kernangeboten, bei allen – also auch ehrenamtlichen – Mitarbeitenden, beim kirchlichen Handeln in der Welt und bei der Organisation von Kirche. Diese vier Bereiche führt das Papier in zwölf „Leuchtfeuern“ aus.
Eine rheinische Perspektive konnte die Juristin der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht benennen. "Es gibt in Düsseldorf noch keine Aussage hierzu," so Hieronimus. Auch die Anmerkungen der anwesenden Synodalen seien eine rheinische Perspektive.
„Das Papier möchte eine Debatte anstoßen,“ hatte Synodalassessorin Elfi Decker-Huppert zur Einführung gesagt – und die Debatte begann sogleich im Kirner Gesellschaftshaus. „In der Seefahrt sind Leuchtfeuer Warnlichter oder Irrlichter,“ so Pfarrer Marcus Harke aus Hundsbach. Er misstraut den Prognosen der EKD zu Mitgliedschaft.