Internetplattform Kirchenreform - Dienstag, 14. Oktober 2008
Druckversion der Seite: EKD-Zukunftskongress - Christin Klappauf
URL: www.netzwerk-kirche-der-freiheit.de/zukunftskongress_klappauf.html

Gefahren der Millieuverengung

Redebeitrag von Christin Klappauf auf dem Zukunftskongress

 

 

Das zweite Leuchtfeuer nimmt die Veränderung der Gemeindestrukturen auf. Man will weg von parochialen Strukturen hin zu Profilgemeinden und netzwerkartigen Formen. 2030 soll nur noch die Hälfte der kirchlichen Arbeit lokal begrenzt sein. Grund Millieu ist die Millieuverengung, die im Zuge der parochialen Strukturen auftreten. Räume der Begegnung sollen über die Gemeindestrukturen hinaus geschaffen werden. Ich frage mich aber, ob Kirche durch offenere Strukturen attraktiver werden, Menschen binden und zum Engagement motivieren kann.

Natürlich ist es bedrückend, dass Kirche nur einen bestimmte Personenkreise erreicht werden und viele andere nicht. Aber liegt dies tatsächlich an den Strukturen der Gemeinden oder nicht vielmehr an den Angeboten, die gemacht werden? Diese richten sich zu oftmals an dieselben Personengruppen und führen somit zu der beobachtbaren Millieuverengung. An dieser Stelle sollte man allerdings auch über die Qualität kirchlicher Angebote diskutieren. Sie ist oftmals nicht befriedigend.

 

Netzwerkartige und projektorientierte Formen und Angebote sind in der heutigen Gesellschaft stark gefragt. Ob Tourismus-, Krankenhaus- und Bundeswehrseelsorge, Citykirchenarbeit und andere moderne Formen der kirchlichen Arbeit als Mittel zum Zweck brauchbar sind, bleibt abzuwarten. Wie kann eine netzwerkartige Zugehörigkeit, die sich aus diesen Strukturen ergibt, aussehen und ist es möglich damit die Mitgliederzahlen zu stabilisieren oder sogar zu erhöhen? Auch in diesem Punkt ist es wichtig, dass die Angebote qualitativ so hochwertig sind, dass man angeregt wird, sich in einer Heimatgemeinde einzufinden und dort zu engagieren.

 

Weiterhin sollen Ortsgemeinden, die nicht mehr stark genug sind, zu Standorten christlichen Lebens mit Gottesdienstkernen gemacht werden. Ich denke aber, dass es in diesen meist ländlichen geprägten Regionen, sehr schnell dazu führen kann, dass man den Anschluss und die gesamte Gemeinde verliert.

 

Der Vorschlag Profilgemeinden aus- und aufzubauen ist begrüßenswert. Gefahren der profilgemeindlichen Ausrichtung sehe ich jedoch darin, dass die Millieuverengung nicht aufgehoben, sondern eher noch verstärkt wird. Außerdem stellt sich mir die Frage, wie groß die Strahlungskraft und das Einzugsgebiet einer solchen Gemeinde sein kann und mit welchen personellen und finanziellen Mitteln sie ausgestattet sein muss.

  

 

 

Christin Klappauf, Evangelische Jugend Thüringen