Redebeitrag von Benedikt Thebes auf dem Zukunftskongress
Ich kenne sehr viele Leute, die sich ehrenamtlich im kirchlichen Raum engagieren. Die meisten davon sind in der Jugendarbeit tätig, wie ich selbst. Was erlebe ich?
Im letzten Herbst durfte ich Teil eines Teams sein, das 50 Jugendliche in einer Woche zu Gruppenleitern ausgebildet hat. Fünfzig! Mit ihrer JugendLeiterCard, die sie im Anschluss bekommen, werden sie Teil eines großen Mitarbeiterpools aus vielen unterschiedlichen Menschen, die sich mehr und mehr perfekt ergänzen und voneinander lernen. Das Potenzial, dass in diesen Menschen steckt, ist enorm. Und sie wollen sich engagieren in der Evangelischen Jugend!
Aber es gibt bei mir eine Befürchtung: Viel von der Arbeit, die bei uns läuft, funktioniert gut, weil es Hauptamtliche gibt, die sie begleiten. Die nicht den Hauptteil der Arbeit machen, sondern es schaffen, viele Jugendliche in einem großen Prozess zu begleiten und zu unterstützen. Ansprechpartner, Vertrauensperson, Coach und Gesprächspartner gleichzeitig sind.
Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist schwierig. Nicht, weil sie als Menschen schwierig sind, sondern weil ihr Leben sich schnell verändert. Pubertät, weiterführende Schule, Berufswahl, Partner. - Gerade weil so vieles im Wandel ist, ist es für sie gut, eine Orientierung zu haben.
Ich erlebe, wie bei uns vor Ort eine Jugendkirche entsteht. Ein Raum, um Glauben „erlebbar“ zu machen. Kulturelle und geistliche Angebote mit Tiefgang, gestaltet von Jugendlichen für Jugendliche. Menschen aus der „Erwachsenenkirche“ sehen das Projekt mit viel Wohlwollen, einige aber auch mit Skepsis. - Warum kann ich nicht sagen.
Warum sind wir so erfolgreich? Evangelische Jugendarbeit funktioniert bei uns, weil viele Kinder und Jugendliche sich angesprochen fühlen; Ehrenamtliche begleitet, gefordert und gefördert werden. Miteinander wachsen statt konkurrieren.
Ich erlebe, dass sich im Bereich Spiritualität sehr viel bewegt. Vor einigen Jahren hatte ich den Eindruck, als ob für viele „eine Gemeinschaft“ der einzige Grund zur Mitarbeit wäre. Heute spüre ich eine zunehmend größer werdende Offenheit für geistliche Themen.
Jugendliche diskutieren, welche Bedeutung die Taufe für sie hat und was denn ein Abendmahl ausmacht. Dabei sagen sie nicht, was die Amtskirche definiert, sondern was aus ihrem Inneren kommt. Junge Menschen können artikulieren, was sie glauben; können beschreiben, was Jesus, Gott und Glauben für sie ausmachen, was sie beschäftigt und nachdenklich macht. Sie stoßen dabei aber oft auf eine Kirche, die an bestehenden Formen und Strukturen festhält und nicht mit der Offenheit im Denken Jugendlicher mithalten kann.
Es ist wichtig, dass wir als Kirche diesen jungen Menschen mit unseren Strukturen genauso wie mit unseren Themen einen Raum schaffen, wachsen zu können. Mit heranwachsenden Christen, die wissen, was sie glauben, haben wir als Evangelische Kirche eine Zukunft.
Es lohnt sich für uns als EKD allemal, in die Jugend zu investieren!
Das ist mein guter Tipp an Sie und uns alle. Vielen Dank.
Benedikt Thebes, Jugenddelegierter aus Hannover