
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer
ich möchte ein paar Fragen zum Bildungsverständnis in der evangelischen Kirche stellen:
Frage 1: Was ist das Ziel von Bildung in der evangelischen Kirche?
- Ist es die Vermittlung von Wissen über die Heilige Schrift?
- Ist es das Wissen von der Geschichte der Kirche?
- Ist es die Kenntnis von wichtigen Kirchenliedern und anderem protestantischen Kulturgut?
In der Tat, dies sind wichtige Ziele. Ich möchte jedoch ein „aber“ hinzufügen.
Denn die genannten Ziele entsprechen nur der einen Perspektive von Bildung: Der Perspektive der Institution, die versucht, ein spezifisches Wissen zu vermitteln. Die Entscheidung, was gelernt wird, wird von oben herab getroffen. Manche Menschen mögen vielleicht zufrieden damit sein. Aber der „Kirche der Freiheit“, die wir sein wollen, entspricht das nicht.
Es gibt jedoch auch die andere Perspektive von Bildung: Die Perspektive der Adressaten, des Subjekts. Dieses Verständnis von Bildung kann erheblich mehr leisten: Hier erarbeiten sich die Menschen selbst das Wissen, ihre Ideen und Fragen werden ernstgenommen. Sie übernehmen also eine aktive Rolle. Auf diese Art und Weise erfahren sie neue Kompetenzen und werden dazu befähigt, als selbstbestimmte Personen in Kirche und Gesellschaft zu leben und Verantwortung zu übernehmen.
Fazit: In der Kirche der Freiheit brauchen wir eine subjektorientierte Bildung.
Frage 2: Wo findet die Bildung in der evangelischen Kirche statt?
- Im Religionsunterricht?
- In einer evangelischen Schule?
- Im Konfirmandenunterricht?
Wird Bildung so verstanden, dann erreicht man nur eine bestimmte Gruppe von Menschen, oder man erreicht sie nur für eine bestimmte Zeit.
Die subjektorientierte Bildung hingegen steckt überall: In der Jugendarbeit, der Seniorenarbeit, in der Erwachsenenbildung, in der Kirchenzeitung. Sogar eine gute Sonntagspredigt lässt sich als ein Stück Bildung verstehen: Sie regt zu Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft an, sie stellt Fragen, sie führt dazu, dass wir Laien selbständig unseren Glauben reflektieren.
Fazit: Subjektorientierte Bildung ist ein Herzstück des Protestantismus. Wo sie bereits besteht, sollte sie gestärkt werden.
Frage 3: Wie lässt sich dies nun konkret umsetzen?
Bei sehr vielen Veränderungsprozessen brauchen wir die Perspektive einer Bildung, die zu aktiver Teilnahme auffordert und aktive Teilnahme ermöglicht.
Drei Beispiele:
Fazit: Für alle Reformprozesse gilt, dass sie – neben anderem – die Stärkung von Partizipation als Ziel haben müssen.
Dankeschön.
Tobias Traut, Jugenddelegierter aus Württemberg